Problematisch wird es, wenn Personen ihr Ego bedroht sehen, obschon es nicht in Gefahr ist, und übermäßig selbstbezogen handeln. Die soliden Dickhäuter unter den Narzissten (grandiose Narzissten) können mit diesen Bedrohungen souverän umgehen. Geraten aber die Dünnhäuter unter den Narzissten (verdeckt-verletzliche Narzissten) unter Druck, etwa, wenn sie nicht unterstützt werden, reagieren sie verletzt, paranoid, misstrauisch, neidisch und ängstlich, denn sie befürchten, persönliche Nachteile zu erleiden und Dinge erdulden zu müssen, die mit ihren egoistischen Überzeugungen nicht übereingehen. Alle müssen das Ego unterstützen, und wer das nicht tut, wird bestraft und erfährt harte Konsequenzen. Diese infantile Haltung zeigt weder Mitgefühl noch Interesse an dem anderen. Übertrieben narzisstische Personen bemühen sich durchgehend darum, ihr tolles Image zu pflegen, mehr zu wollen, als sie tragen können, und immer zu genügen, auch wenn es schwerfällt. Aus Angst, diesem Image nicht mehr zu entsprechen, gehen narzisstische Menschen über Grenzen. Über die der anderen und über eigene. Typischerweise zeigen pathologische Narzissten ein starres Regelsystem, das sie selbst setzen und auch durchsetzen. Sie sind unfähig, unter normalen Umständen Selbstzufriedenheit zu spüren. Damit ist aber eine tiefgreifende, empathische, liebevolle Beziehung, die vom Austausch lebt (Reziprozität), nicht möglich. Nur der Besitz und die Bestrafung des anderen ist möglich, etwa durch Liebesentzug, Widerstand, Nötigung, Terror und auch Angstmacherei.
(Pablo Hagemeyer)
Sehr erhellend.
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