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Wie ein Western-Held

Ich denke mir manchmal - manchmal fühle ich es auch so -, ich sollte genauso reduziert wie die Film-Cowboys und Western-Helden reden. Mich bevorzugt durch Mimik (und eingeschränkte Gestik) mitteilen.

Nicht reden, handeln! Nicht diskutieren, machen! Gar nicht lange rummachen...

Wann würde ich dann noch was sagen? Zu was würde ich dann noch etwas sagen?

  • Wenn ich direkt angesprochen werde. Nein, wenn ich direkt gefragt werde. - Es muss schon eine "gute" Frage sein.
  • Wenn ich etwas will. - Und ich es nur vermittelt vermittels anderer bekommen kann.
  • Wenn ich emotional stark berührt bin. - Das wäre dann...
  • "Guten Tag" - !?
  • "Auf Wiedersehen" - !?
  • Wenn ich meine Erfahrungen weitergebe. - An Nachfolger, die meiner würdig sind.

Nun, es sieht so aus, dass ich beschützt wäre qua meines reduzierten Ausdrucks und qua dessen, dass ich sodann ein Mann des Handelns wäre. Meine Rede würde mich nicht mehr so exponieren, mich nicht mehr so angreifbar machen. Schnackt mir dann jemand zu viel... Nicht reden. Handeln. Mimik und Gestik sind kurz, knackig, bestimmt. Clint Eastwood: Make my day (Ja, ich weiß, das ist kein Western). Nicht zur Rede stellen - gleich den Gewehrkolben, oder was man so zur Hand hat, ins Gesicht des "Verursachers" fliegen lassen.

Hingegen: ich habe etwas zu sagen.

Ich bin emotional engagiert. Ich bin emotional verletzbar. Menschen interessieren mich. Ich bin wissensdurstig. Ich habe studiert. Die Unmengen Prüfungen über mich ergehen lassen. Zusätzlich: die Unmengen Lebens-Prüfungen bereits bestanden. Ich bin der Überzeugung, dass Entwicklung und Veränderung Kennzeichen Lebens sind, zumindest des menschlichen Lebens. Mein Gegenüber ist mir nur in den allerseltensten Fällen gleichgültig... usf.

Also, auf der einen Seite, als Western-Held, unverletzbar; auf der anderen Seite, so wie ich bin, verletzbar, der Gefahr von emotionalem Stress ausgesetzt. Ich muss mich mit anderen Menschen auseinandersetzen. So wie ich bin - so wie ich gestrickt bin, sagt man ja wohl auch nicht von Ungefähr -, kann ich nicht aufhören, mich mit meiner vielfältigen Umgebung auf womöglich ebenso vielfältige, also adäquate Art und Weise  auseinanderzusetzen - Tag für Tag aufs Neue, wobei: nicht immer aufs Neue. - Auch wenn mich diese Lebensweise für emotionale, manche sagen auch: seelische, Verletzungen anfällig macht.

Man soll mir jetzt aber nur nicht meine lieben Western-Helden ganz vergessen: Viele Menschen, die die eben geschilderte Lebens-Einstellung mit mir teilen, vergessen darüber sich selbst, ihr Selbst zu schützen; ja, manche meinen sogar nur mit völlig heruntergelassenen Verteidigungslinien ist der Job (als Mensch) richtig und anständig gemacht. Nur, wenn man am Ende mit dem Kopf unter dem Arm dasteht, habe ich mich richtig aufgeopfert und war den Menschen meiner Umgebung gut, so denken diese Menschen allzu häufig. Sie vergessen, sich abzugrenzen.

Die Einstellung, die die lieben Western-Helden uns vormachen, bietet einen guten Schutzmechanismus - in Situationen, die ihn notwendig machen.

Hermine sagt: So vorbildlich, geradezu, Schnuckel.

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