Ich bin mit der Frau meines Lebens zusammen - glaubte und glaube ich. Ich weiß nur nicht, warum ich das glaube. Handelt es sich um meinen alten Festhalte-Tic?
Ich war so froh, dass ich meinem Beuteschema entgangen war. Faszinierend. Nicht der Uniform entsprechend. In keine Schublade passend. Obwohl sie so wunderbar klein und zierlich ist. Diese kleinen Füßchen. Diese langen Zehen. Diese kleinen Brustwarzen. Davor hatte ich immer Frauen mit richtig fetten Brustwarzen. Meine letzte Beziehung hatte Brustwarzen wie Gummibärchen, nur viel größer. Die Frau war auch größer. Ein ehemaliges Model.
Die jetzige ist klein, mit Haaren, die fast genauso lang sind wie sie selbst. Sie kann so unfassbar süß sein, sage ich. Andere sind bei ihr vorsichtig. Sie spreche mit falscher Zunge. Es fällt auf, dass sie oft rausgeschmissen wurde, dass sie oft großen Stress hat mit anderen. Etwas, das ich von meiner Ex-Frau genauso kenne. Die log auch sehr häufig. Nur bei mir nicht. Ich bin mir sicher, dass die jetzige hier und da auch lügt. Sie hasst es, selbst ungerecht zusein. Das nehme ich ihr auch ab. Sie kann jedoch extrem spröde sein und so etwas wie eigenartig. Na ja. Jedenfalls sitzt sie eines Tages neben mir, schaut mich an und sagt, ich muss dir etwas sagen, ich lebe mit einem Partner zusammen in einem Haus, den ich seit 30 Jahren kenne, seit mehr als 10 Jahren läuft da gar nichts mehr. Du kannst damit leben oder es lassen. Scheiße! Doch wieder mein altes Beuteschema. Ein scheiß Dreieck. Nur war ich zu dem Zeitpunkt bereits viel zu sehr in ihr drin, also viel zu sehr in sie verliebt, als das ich noch hätte sagen können, hier ist die Tür, das wars.
Der Sex kam dann dazu. Berauschend. Irgendwie aber auch nicht. Ich merke, ich kann mich nicht zu hundert Prozent auf sie einlassen. Zu 90 Prozent vielleicht oder etwas mehr. Unglaublich wie lange sie braucht bis sie auftaut. Unglaublich wie scharf wir noch aufeinander sind mit um die sechzig. Tolle Körper.
Keine logische oder chronologische Reihenfolge.
Zweimal habe ich ihr ein Ultimatum gestellt. Sie soll mich outen, mich aus der Geheimhaltung herausholen. Einmal hat sie sich selbst ein Ultimatum gesetzt. Die Ultimaten hat sie verstreichen lassen. Dabei hat sie mich sogar drei Wochen lang alleine im Urlaub schmoren lassen. Am Ende konnte sie dem Partner nicht sagen, dass es mich gibt. Sie habe Angst, dass ihre Welt zusammenbricht. Sie habe Angst, sie werde aus dem Haus geworfen. Obwohl ihr das Haus zur Hälfte gehört. Sie wolle schauen, dass sie sich ein Haus mietet, von da aus das Haus zwei bis drei Mal pro Woche sauber macht. Sie wolle es nicht verkommen lassen. Sie hat zwei Hunde. Sie hat zwei Katzen und zwei Meerschweinchen. Sie hat zwei Ponys und sechs Schafe. Ich kann noch ohne Ende einzeln aufzählen. Ich kann noch ohne Ende Ungereimtheiten und Widersprüche aufzählen.
Es werde meine eigentlich jedenfalls großsprecherisch gehegten und gepflegten Standards und Dealbreaker reihenweise und wahllos gebrochen. Ich reagiere nicht. Ich bin passiv. Ich warte auf sie. Ich erreiche sie telefonisch nicht. Sie geht - bis auf zweimal - nicht dran. Sie schreibt nur sehr sehr selten direkt zurück. Es kommt kein Chat zustande. Sie zieht sich regelmäßig raus und antwortet manchmal Stunden später Sie ghostet mich. Sie sagt, sie kommt zu mir. Kurz vorher sagt sie ab, weil sie so müde ist. Weil sie die Tiere sauber gemacht hat. Weil sie sich die Haare bis über die Knie gewaschen hat. Die sie nicht fönt. Sie hat seit einem Jahr drei Mal bei mir übernachtet. Jedesmal mit der Bemerkung, es könne sein, dass sie mitten in der Nacht abhaut. Sie vermisst ihre Katzen. Gnz zuschweigen davon, dass ich jemals ihr Haus von außen oder innen gesehen habe. Einmal war ich auf der Koppel bei den Ponys. Sie wolle erst mit mir dort hin, wenn der Partner von mir wisse, sie wolle ihn nicht desavouieren (so drücke ich es aus).
Standards und Dealbreaker ade!
Es gibt so viele tolle Momente. Deswegen liebe ich sie ja so, sie hat nichts mit den Filmen zu tun, in denen ich in manchen Situationen anhand von Erfahrungen mit früheren Frauen erlebe bzw ertappe.
Ich war noch nie eifersüchtig. Aufgrund des Dreiecks, das emotional an mir zehrt, habe ich Probleme, wenn ich zB daran denke, dass sie so süß zusammengewickelt auf der Couch liegt, ein Zeh aus der Decke hervorschaut und der Partner daran vorbeiläuft und das sieht. Solche Alltagssituationen halt, sie beschäftigen sich in meiner Fantasie. Sie sagt, so etwas ist da gar nicht. Und doch ... Ich möchte einfach den Alltag mit ihr erleben. Und das kann ich nicht.
Ich warte auf die Situationen, dass sie mir schreibt, sie kommt zu mir. Wochenenden waren mal tabu. Sind es seit ein paar Monaten nicht mehr so. Von 48 Stunden Wochenende erlebe ich sie 3 Stunden max. Es sei denn sie übernachtet bei mir, was bisher eben dreimal der Fall war.
Puh, es ist kein im Kreis drehen. Es ist jedoch irgendwie ausweglos.
Ich bin ein unheilbarer Optimist. Wenn ich eine Perspektive habe, dann reicht mir das als Motivation. Meine Situation in der Beziehung zu meiner Freundin schaut so aus, dass sie mir eine Perspektive oder Perspektiven hinhängt. Was allerdings (aktuell) beim Hinhalten stehen bleibt. Objektiv messbare Fortschritte gibt es so nicht. Sie ist häufig unter der Woche bei mir, abends/später Nachmittag für eine halbe bis drei Stunden. Am Wochenende ist sie neuerdings relativ regelmäßig bei mir. Es macht mir den Eindruck, das sind Möglichkeiten, die sie in ihrem Zuhause, in der WG mit dem Ex-Partner gut verkaufen kann, ohne in große Erklärungsnot zu kommen. Sie kann diese Ausflüge zu mir gut hinter anderen Aktivitäten verstecken. Die paar Mal, die sie bei mir von Samstag auf Sonntag übernachtet hat, kann sein, dass da der Partner gar nicht zu Hause war, ich weiß nicht, inwiefern sich meine Freundin da realistisch in die Karten schauen lässt (um mich zu beruhigen auch). Leichteste Gründe werden genommen, dass sie nicht bei mir übernachten kann.
Ich will sie nicht verlieren. Ich ertappe mich bei krassen Verlustängsten. Wenn ich den berechtigten Eindruck habe, sie versetzt sich nicht in meine Situation, sie nimmt meine Position nicht ernst und macht es unnötig komplizierter bzw emotional anstrengender für mich, werde ich verbal ungerecht und dumm. Sie macht zu. Ich leide. Sie auch. Ich bin ungeschickt und rede mich um Kopf und Kragen. Sie kommt nicht aus der Deckung. Macht sich ganz klar Gedanken. Das zeichnet sie aus. Klasse. Und doch. Ich bin auf einmal in der Position, die schuldig ist. Ich soll mich benehmen. Dem Partner berichtet sie nicht von mir. Sie hat Angst, dass sie aus dem Haus fliegt, sie ihre Heimat verliert. Sie hat sich perfekt in die Versorgung ihrer Tiere eingerichtet. Und in dem Putzen des Hauses und dem dort Leben.
Er wisse, dass sie jemanden hat. Er sei ja nicht blöd. Warum fällt es ihr dann so schwer, wieso schafft sie es nicht, einfach die ganze Wahrheit zu sagen. Ich bin bereit, Alles so zu lassen wie es ist. Getrennte Wohnungen und so weiter. Warum muss sie mich dann erwähnen?! Konkret unsere Beziehung outen!? Weil es dann sauber ist. Weil ihm dann nichts vorgemacht wird, er nicht hintergangen wird. Sie kein Doppelleben führen muss. Ich aus meiner Warteposition heraus komme. Urlaub und gemeinsame Wochenenden und andere Unternehmungen sind kompliziert und anstrengend und ausschließlich von ihrem Willen abhängig.
Eigentlich kommt es nur darauf an, was ich brauche. Ich gleiche mich allerdings ihr an. Ich schaue, wie ich es ihr recht machen kann. So dass sie nicht auf mich böse ist. Solche paradoxen Dinge eben... Ungesund.
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