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So grenze ich mich gerne ab

Was ich von den New Yorkern lernen kann: Jeder Mensch ist sein eigener Star! Nahezu immer und ständig, in jeder Lebenslage.

Da gab es in einer Folge von Sex and The City so eine "Basketball-Befragung". Männer wurden befragt, was sie von Sex mit älteren Frauen hielten. Nun ja, das Thema hat mich weniger in den Bann gezogen als die Art und Weise der Darstellung. Ich hätte mich in solch einer Situation komplett anders gefühlt. Ich hätte es nicht geschafft lässig und selbstbewusst in die Kamera zu schauen und zu sprechen (oder vielleicht doch!?). Es mag mit meiner ungeklärten Händigkeit zusammenhängen. Ich würde in solch einer Situation die gesamte Situation wahrnehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich würde die Geräusche alle zusammen und doch wieder getrennt warhnehmen; ich würde das Fabrikat der Kamera wahrnehmen; auch dass bei manchen Menschen ("Darstellern") etwas im Verhalten inkonsistent ist; mein Mitspieler gibt mir ein Zeichen... Ich kann damit einigermaßen gut umgehen (auch deshalb das "oder vielleicht doch!?"; und ich schauspielere gerne, ich stelle mich gerne dar).

Als Außenstehende/r würde man mir meine übersteigerte Aufmerksamkeit ja auch kaum anmerken - in mir würde es allerdings ganz anders aussehen; die Gedanken und Wahrnehmungen würden ständig die Gehirnhälften wechseln. Was man sehen würde: ich würde schwitzen wie verrückt.

Ich will mich nicht länger bei der ungeklärten Händigkeit aufhalten. Es war ja nicht nur das Sprechen in die Kamera in der oben angesprochenen Szene. Es wurden Meinungen mit einer Verve vorgetragen, die vielleicht eher "Bescheidenheit" verdient hätten. Aber was soll´s! Und das finde ich gut. Es wird keinem Menschen mit solch einer Meinungsäußerung weh getan. Jedenfalls nicht direkt. Das Wichtigste: Jedem dieser Befragten war anzumerken, dass er in diesem Moment (und darüber hinaus) mit sich und der Situation und dem Leben im Reinen war. Jeder hat seinen kleinen eigenen Auftritt genossen, und es war genau richtig so - und der Basketball-Korb wurde getroffen oder auch nicht.

Und dann war da noch so eine Szene (ich glaube in derselben Folge von Sex and The City): Carrie trifft auf (ihren) Mr. Big, vor einem Strassen-Restaurant; nach mehreren verhunzten Anläufen wäre das wieder so eine Gelegenheit gewesen sich fest mit Mr.Big zu verabreden; Carrie sagt "Rufen Sie mich an", geht weg und dreht sich lächelnd nochmal ganz kurz zu Mr.Big um. Ich hätte diesen Satz vielleicht noch so locker rausgebracht, ich hätte mir dann aber direkt Gedanken gemacht, ob ich ihn nicht verletzt hätte, ich wäre mir unsicher gewesen, ob ich damit nun nicht eventuell doch die allerletzte Chance auf ein Date mit ihm versaut hätte. Carrie nicht. Sie wusste, dass es einen Anruf geben wird und dass sich daraus ein Date ergeben wird. Absolut sicher. Ihr Groll betraf den verpatzten Moment, den misslungenen Gig, im Weggehen, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht: "verdammt, es wäre so cool gewesen, wenn ich mich nicht umgedreht hätte".

Ja, das kann ich von den New Yorkern in Sex and The City lernen. Wenn ich mich wieder äußerst unwohl fühle und ich schwitze in der Menge und ich fühle mich beobachtet beziehungsweise bewertet, werde ich demnächst an diese Auftritte denken. Ich bin mein eigener Star. Ich habe das volle Recht mich darzustellen und gut zu sein. Ich muss nicht die gesamte Situation erfassen und mich dann darnach verhalten - ich bin und gestalte die Situation. Und das ist gut und schön und erquickend - und das darf genau so sein.

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