Ich glaube, in Sachen Beziehungen bin ich nicht gerade gut. Ich weiß es nicht. Jedenfalls geben mir die Frauen, mit denen ich ernsthaft zusammen war und bin, das Gefühl, ich sei irgendwie nicht gut. Sie seien gut. Gut heisst, Alles richtig machen. Wobei ich stets dem Eindruck erliege, dass die Frauen Alles richtig machen. Und das kommt so: in der Anfangsphase der Beziehung sage ich regelmäßig solche Sätze wie, mach ruhig, es soll dir gutgehen, ich bin flexibel. Übersetzt also: hier, bitte, schubs mich rum, ich habe keine eigene Meinung. Bis es mir dann irgendwann reicht. Dann wundern sich die Frauen und zeigen naturgemäß ihre Abwehrstrategien. Woraufhin ich darüber nachdenke und zu dem Schluß komme, dass ich überreagiert habe. Ich soll mich Mal nicht so anstellen - und womöglich das Ende der Beziehung riskieren. Circulus vitiosus. Ich bin doch schließlich total verliebt. Die jeweiligen Frauen sind da viel mutiger, sie spielen scheinbar mit dem Ende der Beziehung.
Das ist nämlich der nächste Baustein, der darauf schließen lässt, dass ich in Beziehungen nicht gut bin. Ich bin total verliebt, nur ein bisschen geht nicht, das würde mir eher Angst machen.
In der Konsequenz und angesichts meiner Biographie, bestätigt mir meine beste Freundin Isabella, bemerke ich an mir, dass ich so richtig in Verlustängsten drin hängen kann. Und werde manchmal sogar zwanghaft, behaupte ich. Das will ich wiederum nicht sein und leide daher lieber. Siehe oben: circulus vitiosus.
Es ist in dieser Situation total erleichternd, wenn ich davon weiß, dass es noch ganz viele Frauen auf dieser Welt gibt, die mich, mit meinen 62, sehr attraktiv finden. So wird mir tatsächlich immer wieder rückgemeldet. Das heißt nicht, dass ich aktiv suche, ich bin nur nicht auf diese eine Frau angewiesen. Der Liebeskummer infolge einer Trennung würde sehr weh tun und auch vorübergehen. Es ist so, wie es ist.
Richtig wichtig sind übrigens Freunde und Hobbys. Sie sind überdauernd wirksam. Auch dies milder die Abhängigkeit von dem emotionalen Auf und Ab in Beziehungen.
Als aktuelle Erkenntnis, die im Grunde eine Bestätigung früherer Erkenntnisse ist: Pferdemädchen, wie Isabella nennt, sind wirklich suspekt; das waren sie uns bereits vor über Jahren. Ich glaube, sie stehen ihren Pferden näher als den Menschen. Und sie sind gegenüber Menschen oft einfach nur spröde.
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